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Rückblende: Hier nochmals die Videos 
vom Start am 22.11.09 !

  
Bilder von der Überfahrt hier klicken !
   

Herzlichen Glückwunsch an unsere Jungs auf der Skiathos! 
Die Skiathos kam am 09.12.2009 um 0:38:38 GMT (am 08.12.09 um 20:38:38 Ortszeit) durchs Ziel. 
In 16 Tagen 11 Stunden 38 Minuten und 38 Sekunden wurde die Regattastrecke bewältigt.
Nach vorläufigem Endergebnis Platz 5 in der Cruising Class D und Platz 77 in der Gesamtwertung.

  
Die Skiathos beim überfahren der Ziellinie

  

10.12.09, 1200 LT, Rodney Bay, St. Lucia
  

Das Schiff liegt ruhig in der Box. Wir vermissen das Festhalten der Becher im Salon, das Kochen mit einer Hand am Geländer und lernen wieder die Nächte durchzuschlafen. Mittlerweile ist die Marina in Rodney Bay gut gefüllt und es herrscht entsprechend Betrieb. Die nervöse Aufbruchstimmung von Las Palmas ist der Erleichterung über die geglückte Überfahrt gewichen. Überall wird ausgelassen gefeiert und immer wieder dröhnt das Jubeln der Neuankömmlinge über die Stege. Wir sind angekommen!

Rückwirkend bleibt zu sagen, dass wir alles richtig gemacht haben. Die Proviantierung war korrekt berechnet, unsere Segelmanöver waren routiniert, sicher und dazu haben wir eine tolle Platzierung erreicht. Ein grosses Lob an unseren Skipper Thomas und die Mannschaft vom Skipperteam. Zusammen der Garant für eine seriöse und sichere Überfahrt.
Allen, die zuhause mitgefiebert haben und in Gedanken bei uns gewesen sind, möchten wir recht herzlich Danke sagen. Es ist dem engagierten Einsatz von Hans-Jürgen zu verdanken, dass wir überhaupt die Möglichkeit hatten unsere Erlebnisse zu teilen. Das Senden der Berichte war für die Skiathos Crew einer der täglichen Höhepunkte.
  

Jeder von uns hatte den ein oder anderen Moment (oder mehr), in dem man sich fragte, warum man sich so eine Reise voller Entbehrungen, Risiken und Dauer überhaupt antut. Besonders während der einsamen Nachtwachen war die Antwort auf diese Frage mindestens genauso weit weg wie die Sterne über uns.

Spätestens beim ersten Telefonat in Sichtweite von St. Lucia oder beim Lesen der Gästebucheinträge wird einem aber bewusst, dass ohne eure Unterstützung so ein Trip gar nicht erst realisierbar gewesen wäre.
  

Danke an unsere Angehörigen und Freunde; auch ihr habt einiges auf euch genommen während unserer Reise!
  

Wir sind zwar über den ganzen Atlantik gesegelt – aber irgendwie war es auch ein grosser Schlag in Richtung Heimat!
  

Eure Skiathos-Crew
  

Over and out!

    
09.12.09, 0038UTC, Rodney Bay - St. Lucia

  

08.12.09, 2045 UTC: LAND IN SICHT! St. Lucia liegt vor uns im Sonnenuntergang! Und hinter uns einige andere Yachten! Der sportliche Endspurt hat begonnen! Aber was ist das? Kurz vor dem Ziel schlief der Wind ein und die Skiathos quälte sich mit sage und schreibe 4 kn durch die Wellen. Die ganze Crew an Deck – aber zaubern können wir leider noch nicht. Warten... Als Martinique in Sichtweite kommt frischte es plötzlich wieder auf und wir surften in gewohnter Manier dem Ziel entgegen. Mit Vollgas! 5nm, 2nm, Pigeon Island und plötzlich lag das Zielboot voraus. Es folgte Jubel und Blitzlichtgewitter und dann waren wir im Hafen!
Der Empfang war mehr als freundlich: Am Steg erwarteten uns ein Korb frischer Früchte, einige eiskalte Rumpunch und eine Magnumflasche kühles Bier! Allein das war die ganze Überfahrt schon wert. Es dauerte keine 20min und dann war das Schiff verschlossen und die Crew suchte die nächste Hafenbar auf... weitere Einzelheiten bleiben Crewgeheimnis!

Und für alle, die wissen wollen wie es wirklich ist den Atlantik zu überqueren:

Stellt euch folgendes vor: zu acht in einem Wohnmobil mittlerer Grösse. Aussteigen unmöglich. Distanz Frankfurt – Ural, auf schlimmsten Feldwegen. Der Kühlschrank funktioniert nicht und zudem kommt, dass die Heizung permanent auf Hochtouren läuft – bei einer Aussentemperatur von 30 Grad. Und wer glaubt, dass die überall anhaftende Salzkruste vor Sonnenbrand schützt, der täuscht sich!
    

08.12.09, 1200UTC, N14°18'0 - W 059°31'0

 


    (zum vergrößern auf das Bild klicken!)  

     

07.12.09, 1200UTC, N14°48'0 - W 056°19'0   -   190 nm
  
Wir haben zwar keinen Adventskalender mit edler Schokolade an Bord. Dafür aber den Blick auf unserer GPS-Gerät mit der Reststrecke zum Ziel. Heute knacken wir die 200 Seemeilen – dies entspricht ungefähr dem
22igsten oder 23igsten Türchen.
Momentan läuft es wie am Schnürchen: 22 Knoten Wind blasen uns über den
Atlantik. Die Wellen nehmen zu und wir surfen die 6m Berge mit bis zu 14,4kn herab. Perfekte Bedingungen für einen grandiosen Endspurt. Im Bugkorb sitzend taucht man bis zur Hüfte in die Fluten. Wer jetzt denkt dieser Geschwindigkeitsrausch wäre erfrischend, der täuscht sich. In diesen Breiten ist der Atlantik brühwarm!

An Bord laufen in der Zwischenzeit schon Wetten, zu welcher Tageszeit wir in Rodney Bay einlaufen werden. Eine wichtige Frage, da damit auch unmittelbar die Getränkelogistik verknüpft ist. Die Angst in der Nacht anzukommen – ohne die Möglichkeit an kaltes Bier oder Bluna zu kommen - motiviert die Steuerleute ungemein noch den letzten Zehntelknoten Speed aus der Skiathos zu kitzeln. Nichts wird dem Zufall überlassen!

Heute Nacht hatten wir zum ersten Mal eine Schauerwolke im Nacken. Aber Arno und Klaus begaben sich ins Ölzeug und liessen das Schiff laufen. Eine halbe Stunde lang mit Vollgas vor dem Wind. Immer über 9kn. Man könnte glatt meinen, dass auch unsere Skiathos durstig ist und sich nach einer Süsswasserdusche sehnt. So schnell wie der Spuk kam, war er auch schon wieder vorbei und es folgten einige astronomische Beobachtungen: Orion-Nebel, Venusphase und Sternschnuppen an denen man sich einfach nicht Sattsehen kann! Es war eine ruhige, wenngleich schnelle Nacht!

Unsere Köche übertreffen sich mal wieder selber – heute steht Zwiebelkuchen auf dem Programm! Man fasst es nicht – mitten auf dem Atlantik!
  
06.12.09, 1200UTC, N15°07'0 - W 053°07'0   -   168 nm
  
Hier sind wir wieder! Die Magenkrämpfe blieben aus und die Nudeln mit Steinpilzsauce waren sehr bekömmlich. Ein Lob an den Smutje! Heute Morgen gab es ein kräftiges Rührei mit Speck und Nudeln. Genau das Richtige um die Vorschiffscrew zu stärken. Damit beim nächsten Spibaummanöver alles klappt und genug Kraft vorhanden ist um die ungestüme Genua zu bändigen. Entsprechend wurde fleissig nachgeschöpft bis zum Mittag. Die nächste Aktion kann kommen – wir sind bereit.

Während der Nacht frischte der Wind ordentlich auf. Die Nachtruhe war jedoch nicht ganz gewährleistet, da die verschiedenen Rudergänger einen Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen knackten und dies entsprechend
lautstark zum Ausdruck brachten.
Es gibt Erfreuliches vom Regattafeld zu berichten: Wir sind nicht mehr alleine. Jetzt, 400nm vor dem Ziel, tauchen immer mehr Segler auf und wir haben wieder Tuchfühlung zur Konkurrenz. Jagen ist angesagt. Aber, wo wir auch hinschauen, der blaue Rumpf der Zara taucht einfach nicht auf. Eine Erklärung mag sein, dass wir uns nach vorne orientieren und uns für die Schiffe hinter uns gar nicht erst interessieren. Aktuell haben wir drei Kontakte voraus, die wir allesamt morgen Früh hinter uns haben wollen. Ehrgeizig, aber machbar.

Zum ersten Mal während der Wettfahrt kamen wir in den Genuss einer Süsswasserdusche. Ein Schauer zog vorbei und entlud einige Tropfen Wasser über uns. Zum Glück hat sich keiner eingeseift – sonst wäre der weisse Schaum noch im Gesicht geblieben. Hätte sogar ganz gut gepasst – es ist ja Nikolaus.

Mittlerweile haben wir 2450nm im Kielwasser. Heute vor zwei Wochen sind wir in Las Palmas gestartet. Irgendwie kommt uns das alles sehr surreal vor. Der ein oder andere an Bord scheint verunsichert: Zum einen weil die Fahrt bald zu Ende ist, zum anderen weil man nicht weiss, was einen alles in der neuen Welt und der Zivilisation erwartet.
   
05.12.09, 1200UTC, N15°30'0 - W 050°16'0   -   147 nm
  
Endlich! Der Wind ist zurück! Seit heute Nacht schiebt uns der Passat wieder mit bis zu 8kn durch die Fluten. Genügend Druck in den Segeln erspart uns das kreischende Geräusch des sich in der Flaute biegenden Riggs. Das bedeutet auch: Einigermassen gutes Schlafen. An den Seegang haben wir uns schon längst gewöhnt. Mittlerweile machen sich schon
Ängste breit, dass wir uns an Land gar nicht mehr bewegen können. Wir werden sehen – sicher ist, dass es zur Ansteuerung des nächstgelegenen Kühlschrankes an Land definitiv keines GPS-Systems bedarf. Einige durstige Hessen sind Indikator genug!

Heute war Praxistag auf der Skiathos. Wir bekamen eine Kurzeinführung, wie man mit dem Sextant die Sonne schiesst und haben fleissig geübt. Das Ganze ging mehr oder weniger blendend vonstatten. Im Anschluss wurden diverse Hand-GPS Geräte verglichen und getestet. Nur komisch, dass unterschiedliche Ergebnisse berechnet wurden. Sind wir auf dem Atlantik? Wo ist St. Lucia? Und wie weit ist es noch? Die Amerikaner haben schon beim Bau des Space Shuttles cm und inch verwechselt... Arno tröste dich – jetzt ist dein GPS wieder auf Nautical Miles und nicht Statute Miles eingestellt. Der nächste Törn kann kommen. Die Gewissheit: nur noch 580nm bis zum Ziel! Ein Katzensprung.

Ein aufmerksamer Segler entdeckte zu Mittagshitze, dass die beiden Bullenstander gefährlich an der Spibaumnock scheuerten. Wir haben schon mehrere Schoten durch Schmafilen verloren. Etwas musste also geschehen um der Gefahr Herr zu werden. Drei tapfere Matrosen begaben sich furcht- und respektlos in den Bug um eben mal die Topnant aus dem Baum zu nehmen und umzuführen. Prima Idee bei achterlichem Wind und einer gut gefüllten Genua! Das allmorgendliche Müsli mag zwar Kraft und Energie bedeuten, aber es reicht kaum für die Gewalt des Windes. Unser Steuermann behielt
cool den Überblick – bis zu dem Zeitpunkt als ein Segler am Seezaun hing. Nach mehr oder weniger akrobatischen Bewegungen unsere Vorschiffscrew war der Spibaum und das Segel wieder unter Kontrolle. Ein paar blaue Flecken mehr – auf die kommt es auch nicht mehr an. Hauptsache das Schiff läuft!

Das letzte Abenteuer steht uns aber noch bevor: Berny kocht zu ersten Mal in seinem Leben. Zur Sicherheit schicken wir diese Nachricht schon einmal hinaus in die Welt. Wir hoffen, dass es nicht die letzte sein wird!
  

04.12.09, 1200UTC, N15°58'0 - W 047°49'0   -   133 nm

   

Es kam in der Nacht. Es kam lautlos. Es kam schnell. Ein mysteriöses rotes Licht näherte sich der Skiathos beständig. Sämtliche Funkanrufe wurden mit Schweigen beantwortet. War es ein Segler? Erst auf kurze Entfernung beleuchte der helle Mond die riesigen Segel. Weiterhin Schweigen im Äther – der ganze Spuk war nach zwei
Stunden vorbei und das Geisterschiff verschwand im Süden. Erleichterung an Bord – offensichtlich kein Konkurrent. Zumal der Pott wesentlich schneller war als wir...

Der heutige Tag begann flautig: schon in der Wache von 0200-0500 trieb die Skiathos mehr auf Wasser als dass sie segelte. Frust. Während der Wache von 0500-0800 war es kaum besser aber es wurden immerhin Spitzen um 5kn erreicht. Noch immer Frust! Schnell in die Koje und hoffen, dass es besser wird. Fehlanzeige. Der heutige Maximalwert belief sich auf 6,7kn. Wenig, aber vergleichsweise viel, wenn man die tatsächlichen Windstärken in Betracht zieht. Dennoch herrschte Unsicherheit und Skepsis über unseren Verbleib im Feld.

Die Errechnung des Etmals durch unseren Skipper löste Schweigen und Schrecken an Bord aus. Aus Sorge wurde Gewissheit. 133 Seemeilen. Das ist ein Tiefpunk und wir sind nicht stolz darauf. Aber wie steht es um die anderen Schiffe in der Flotte? Erst der abendliche Report der Regattaleitung wird uns Klarheit bringen. Das nervöse Warten im Leichtwind nutzte jeder auf seine Art und Weise. Beliebtestes Mittel heute: Die Borddusche. Intensiv und lange genutzt glaubt man irgendwann sogar, dass das Wasser nicht mehr salzig ist und dass das Shampoo schäumt. Allerdings fiel eine Schlagpütz dem Atlantik zum Opfer – von nun an gibt es keine Parallelduschen oder Wasserschlachten mehr auf dem Vordeck.

1800 UTC: Crewvollversammlung im Cockpit. Briefing durch unseren Kaleun: Über hundert Schiffe hatten ein Etmal unter 150 Seemeilen und wir lagen mit unseren 133 einigermassen im Mittelfeld. Dies aber nur zur Beruhigung. Auf so ein Niveau wollen wir uns auf Dauer gar nicht erst begeben. Wenn es der Kurs erlaubt werden wir morgen wieder unseren flammfarbigen Spi in den blauen Himmel heissen. Wir befinden uns im Endspurt auf St. Lucia. So langsam dürften die anderen Schiffe wieder in Sichtweite kommen. An unserer Motivation mangelt es nicht. Wir wollen uns noch ein paar Plätze nach vorne kämpfen.

Ein bisschen Romantik darf aber auch auf einem Rennschiff nicht fehlen (Ausnahmsweise – da zu wenig Wind). Vor Mondaufgang drängt sich die ganze Crew schweigend im Cockpit und schaute in den überwältigenden Sternenhimmel. Man kommt sich klein vor in diesem Moment. Aber wen wundert das schon; bei 14,5m auf dem Atlantik.

PS: mcm tmmf
      
03.12.09, 1200UTC, N16°22'0 - W 045°33'0   -   153 nm
  

Die schnellste ARC aller Zeiten? Ja, aber nur für die Schiffe, die kurz vor der Hafeneinfahrt vor St. Lucia stehen. Weit draussen vor der Insel – genaugenommen 865nm vor dem Zielstrich - stecken wir in einer Schwachwindzone nervigen Ausmasses. Die Skiathos dümpelt in leichtem Seegang mit 4-6 Knoten dahin. Und wir scheinen damit noch Glück zu haben – der Wetterbericht für die nördlicheren Zonen des Atlantiks (wo sich der Grossteil der Flotte befinden dürfte) hat noch weniger Wind. Mag aber auch sein, dass wir angesichts der Surfs der vergangenen Tage und Nächte einfach zu verwöhnt sind. Wieder bleibt die Hoffnung auf die abendliche Info des Racing Comitees mit den Positionsmeldungen der Konkurrenz... Was macht die Zara? Wie ergeht es der Swan 53? Und vor
allem: wo steckt die Pogo 40? Noch immer 400nm hinter uns?

Der Ozean lehrt uns geduldig zu sein. Allerdings sitzt die Crew nicht tatenlos auf dem Schiff. Im Gegenteil: Bestandteil unserer aggressiven Regattataktik ist das Schiff kontinuierlich leichter und somit schneller zu machen. In diesem Sinne sind wir eifrig dabei die Vorräte zu dezimieren – ja selbst der nahrhafte Flüssigballast in 33cl Portionen aus der kielnahen Bilge schwindet peu à peu. Mit etwas autogenem Training schmeckt sogar warmes Bier – wieder eine Lebenserfahrung mehr, die man man nur hier draussen erlangen kann.

Aber was macht eigentlich der Teil der Crew, welcher nicht am Steuer steht oder Wache geht? Beliebteste Aktivitäten, neben permanentem Standby für kritische Situationen, sind Musikhören, Bordsport, Lesen, Dösen, Kochen und Diskutieren (Dumm Zeuch babbeln). Und in allem sind wir gut. Sehr gut!

Technisch ist alles vollkommen im Lot – das geflickte Segel macht einen guten Eindruck. Allerdings musste sich der Lappen heute nicht wirklich bewähren. Die nächsten Tage sind vermehrte Schaueraktivitäten angkündigt. Und wo Schauer sind, da ist auch Wind. Zudem wäre eine kühle Süsswasserdusche für Crew und Schiff mehr als willkommen!
 
02.12.09, 1200UTC, N17°03'0 - W 039°48'0   -   186 nm
   

Mittwoch, 02.12.09 – der richtige Tag für einen kleinen Freudentanz am Abend: Zur besten Prime Time werden wir unsere Restdistanz nach St. Lucia auf eine dreistellige Zahl verkürzt haben. Fest steht schon jetzt, dass die ARC 2009 die schnellste der Geschichte ist. Die ersten Boote sind schon fast am Ziel. Freilich fehlen uns dazu die nötigen Füsse – aber wir kommen!

Der Wind nahm am frühen Morgen ab und wir dümpelten zum Sonnenaufgang mitten auf dem atlantischen Ozean. Das frisch gestopfte Loch im Grosssegel riss von neuem. Entsprechend musste der Skipper schon wieder in den Mast um die oberste Saling mit einem Schwamm zu verkleiden und mit Unmengen von Klebeband zu fixieren. Wir hoffen, dass die Aktion keinen nennenswerten Einfluss auf unseren Schwerpunkt hat. Zweite Aktion war das Bergen des Segels und erneutes Flicken. Dieses Mal mehr als konservativ mit viel Garn und Tape. Bis zum Ziel werden wir
sicherlich Ruhe haben. Die ganze Arbeit wurde während der gnadenlosen Mittagshitze vollbracht, was offensichtlich zur Dehydration einzelner Crewmitglieder führte. Die unmittelbare Folge: Halluzinationen! Es wurden Atom-Uboote im Kielwasser erspäht, welche einige Kästen eisgekühlten Bieres an die Skiathos verschenken wollten. Alternativ: vorbeifliegende, frisch gegrillte Schweinshaxen mit kühlem Weissbier aus dem Andechser Fass...
Was blieb war eine heisse Decksdusche und ein anschliessender Schluck aus der Mineralwasserpulle: nicht minder warm, kohlensäurelos und - aufgrund der aufgelösten Vitamintablette - geschmacklich alles andere als berauschend. Aber es ist ist Sport und Regatta – Seefahrerromantik gibt’s woanders!

Ansonsten ist alles fit. Kahn und Mannschaft erfreuen sich bester Gesundheit und begrüssen jede gutgemachte Seemeile Richtung Westen.
   
01.12.09, 1200UTC, N17°03'0 - W 039°48'0   -   200 nm

  
Yes! Unser Etmalziel haben wir auf den Punkt getroffen! Über 16 Stunden blies der Wind von achtern mit ordentlicher Stärke. Am frühen Morgen nahm er ab und wir mussten uns mit einen Schnitt um die 8kn für dieses
Zeit abfinden. Erschwerte Bedingungen wie wir sie lieben! Aber es hat geklappt!
Diese Nacht werden wir nicht so schnell vergessen. Unsere Yacht krachte bei Vollmond übers Meer und surfte die Wellentäler herunter. Der Speedrekord wurde um 0345 UTC mit 15,2kn verbucht.
Wo gehobelt wird, da fallen Späne: An normale Bordroutine ist bei so einer Fahrt und dem Seegang nicht zu denken. Die Crew machte kein Auge zu und wurde in den Kojen und dem Salon hin- und hergeschleudert. Da halfen noch nicht einmal die Leesegel. Die blauen Flecken werden uns noch eine Weile daran erinnern.
Auf alle Fälle sind wir der Karibik ein ordentliches Stück näher gekommen. Und schliesslich sind wir hier nicht im Schullandheim, sondern auf einer Hochseeregatta. Wir warten gespannt auf die Positionsberichte der Konkurrenz!

Aber nicht nur die Crew ist sportlich geschlaucht - auch die Skiathos ist am Leiden: Gestern lädierten wir das Spifall, das Lazybag gab seinen Geist am frühen Abend, das Grosssegel in der Nacht auf. Wir hatten einen ellenlangen Riss auf Höhe der obersten Saling – Ermüdung. Alle drei Probleme wurden behoben: Schön chronologisch und mit Bedacht: Erst wurde das Fall gewechselt um neue Tampen für das Lazybag zu bekommen, dann konnte das Gross geborgen und geflickt werden. Wir sind überzeugt, dass nun alles klar ist um den Endspurt nach St. Lucia anzutreten. Wenn es so weiterbläst wird es schneller gehen als erwartet. Wir arbeiten daran. Unsere Lebensmittel an Bord schwinden allmählich. Insbesondere die Frischwaren, wie Obst und Gemüse, gehen dem Ende entgegen. So langsam zeigt sich, wie gut unsere Köche im Improvisieren sind. Für heute Abend steht ein letztes Mal Antipasti Italiana auf dem Programm – selbst gekocht und eingelegt. Dazu frischgebackenes Brot (ok, es handelt sich um eine Backmischung, aber immerhin!), sowie eine Auswahl an erlesenen Salamis und Hartwürsten aus den Bergen Gran Canarias. Mit viel Glück findet sich auch noch eine Flasche Rioja unserem Weinkeller über dem
Kiel!

   
30.11.09, 1200UTC, N17°23'0 - W 036°24'0 - 171 nm
 
Endlich! Heute Nacht war es soweit: Der Wind kehrte zurück und treibt die Skiathos unter Vollzeug St. Lucia entgegen. Das Bergfest war ursprünglich auf 1600 UTC geplant, wurde aber aufgrund der rasanten Surfs spontan nach vorne verlegt. Um 1204 UTC hatten wir 1430nm im Kielwasser und 1430 nm vor uns. Auch auf der Seekarte sieht man unser Vorankommen deutlich. Als ob 20kn von hinten nicht reichen, hisste Hilmar noch die Sprayhood um auch noch den letzten Zehntelknoten aus dem Kahn zu holen. Peng! Speedeinbruch! Das hatten wir doch schon mal
gestern – nur, dass wir heute ohne Spi unterwegs sind. 
Der Blick der Crew schweift an die Nock des Spibaumes. Es lassen sich die Reste eines Spiblockes erahnen. Als Teil unseres Patents zur Genuaschotführung hielt er den heftigen Dauerbelastungen nicht stand und zerlegte sich mit lautem Knall. Das gut ausgebildete Rettungsteam unserer Crew hangelte sich sogleich gekleidet in Lifebelt und Schwimmweste, bewehrt mit Loctite, Schraubendreher und sonstigen Ersatzteilen, langsam in den Bug um das Problem zu beheben. Je mehr Druck und Anspannung, desto flotter gehen diese Manöver mittlerweile vonstatten. Binnen Minuten war alles so als ob nichts gewesen wäre und die Skiathos beschleunigte von 8kn auf 10kn. Das ehrgeizige Ziel von heute ist ein Etmal zu schaffen, welches jenseits der 200nm liegt. Die Windprognose sieht auf jeden Fall ganz gut aus. Wir werden sehen, was die Nacht bringt. Fakt ist, dass wir alles geben um der Swan 53 ein paar Meilen abzunehmen. Gewissheit oder Frustration werden wir morgen vom ARC Racing Comitee mitgeteilt
bekommen!

Von den anderen Schiffen hört und sieht man nichts. Es bleibt der tägliche Statusbericht der Regattaleitung und die mehr oder weniger glaubwürdigen Positionsmeldungen der Konkurrenz. Momentan scheint es im Feld recht ruhig zuzugehen. Das liegt vielleicht auch daran, dass die anderen weniger Wind haben. So zumindest unsere Hoffnung.

Die nächste schiffsinterne Herausforderung erwartet uns heute Abend: Der Wind hat die See ganz schön aufgeworfen und das Schiff schaukelt und surft die Wellentäler herunter. Für den Smutje wird es sicherlich nicht
einfach ein 5 Gänge Menü zu zaubern. Aber wenn es einfach wäre, dann wären wir, das Urlaub-Racing-Team, sicherlich nicht zusammen hier auf dem Boot inmitten dieser Wasserwüste! Eine Insel rückt näher. Wir freuen uns schon auf die Kokosnüsse! An dem Verzehr fangfrischer Fische mangelt es im Moment noch immer. Allerdings haben wir eine gute Ausrede: Bei 12kn Fahrt sind wir zu schnell für die Thunfische!

 

29.11.09, 1200UTC, N17°49'0 - W 033°30'0   -   169 nm
  
Advent Advent ein Lichtlein brennt!
Leider haben wir keinen Kranz an Bord – dafür aber einen flammfarbenen Spi! Die heutigen meteorologischen Konditionen forderten geradezu das Setzen des riesigen Lakens. Angesichts der bescheidenen Windsituation
und den daraus resultierenden 5kn Fahrt durchs Wasser war klar, dass etwas geschehen muss um an der Konkurrenz zu bleiben. Gesagt getan – relativ routiniert wurde das Segel in Stellung gebracht und dann gehisst. Speed-Sprung um drei Knoten. Prima. Allerdings mit einem etwas nördlicheren Kurs. An Bord entbrannte eine heiße Diskussion über rechtwinklige Dreiecke, Sinus-, Kosinusfunktionen und ob es letztendlich Sinn macht unter Spi und nicht auf direktem Kurs mit Schmetterlingbesegelung zu fahren. Nach kurzer Anhörung aller Argumente war die Antwort „Ja“. Entsprechend blieb das Segel stehen. Sodann stellte sich auf dem Schiff eine zufriedene Ruhe ein und jeder beschäftigte sich auf seine Art: in der Sonne dösen, Musikhören, Lesen, auf den Horizont schauen, Zigaretten drehen, an Zuhause oder das nächste Menü denken... FLOPP! Speedeinbruch! Was war das? Wo um alles in der
Welt kommt die Eieruhr am Vorstag her? Eine Millisekunde Unachtsamkeit und schon hat sich das Segel mehrfach um die aufgerollte Genau gewickelt! Der Supergau. Acht betretene Gesichter mit Blick gen Masttopp. Wir werden langsamer. Dem erheblichen körperlichem Einsatz der gesamten Crew ist es zu verdanken, dass das Tuch schnell unter Kontrolle gebracht werden konnte und wieder im Segelsack verschwand. Außer einiger kleinen Brandwunden sind keine Verletzungen zu verbuchen. Glück gehabt!
Mittlerweile hat der Wind wieder etwas aufgefrischt und wir kamen nicht noch einmal in Versuchung den Spi zu setzen. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag!

Seit nunmehr zwei Tagen befinden wir uns alleine auf dem Meer – kein Schiff weit und breit. Keinerlei Funkverkehr. Aber wir hatten dennoch einen Besucher an Bord: Ein Schmetterling fand sich zu einer Rast auf unserem Schiff ein. Woher er kommt ist ein Rätsel. Immerhin sind wir hunderte Kilometer von der nächsten Küste weg. Ein kleiner Bote, der uns erinnert, dass es auch noch eine andere Welt gibt – eine ohne gleissende Sonne und Salzwasser.

Regatta-Ergebnistechnisch gab es heute einen Dämpfer. Wir liegen zwar noch immer vor unserem Schwesterschiff ZARA (unser Minimalziel), aber dennoch 104nm hinter der Swan 53, welche unsere Klasse anführt. Das ist
eine Menge. Aber der Ehrgeiz der Crew ist auf's Neue geweckt und wir geben nicht auf. Jagen ist besser als gejagt werden! Und bis St. Lucia haben wir noch 1560nm. Das ist eine ganze Menge Wasser. Wir hoffen auf das Auftauchen von Hecklichtern am nächtlichen Horizont.

Nach nunmehr einer Woche hat sich die Crew an den Bordrhythmus gewöhnt: Wachegehen, Kochen, Decksduschen und Ausruhen. Die blauen Flecken vom Beginn der Woche verblassen allmählich und die zunehmende Eigenschaft in
nahezu jeder Lage einige Minuten Schlaf zu erhaschen stimmt uns optimistisch auch die zweite Hälfte der Regatta halbwegs fit zu überstehen.

Die Wetterprognosen für die nächsten Tage wurden ausführlich analysiert und unsere Taktik für die nächste Zeit ist klar. Ob der Coup gelingt wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Wir sind zumindest davon überzeugt.
 
28.11.09, 1200UTC, N18°43'0 - W 030°44'0   -   173

 
Die Auflösung unseres Diner-Rätsels: Pasta mit Gorgonzola Sauce. Herb
und kräftig (für die, die es mögen) aufgrund des Nachreifeprozesses in den tropischen Gefilden. Aber auch Nudeln ohne Sauce sind Kohlenhydrate,

die der Sportler zu schätzen weiss! Das Drama um die Thunfisch-Fischerei nimmt kein Ende. Heute hat ein

kapitaler Brocken angebissen – allein die Grösse der Schwanzflosse liess auf etliche Mahle schliessen. Auch dieser schaffte den Absprung kurz vor Erreichen des Schiffes. Offensichtlich sind die Vorfächer und Verbindungen leicht unterdimensioniert für diese Breiten. In diesem Sinne einen Gruß an Olis' Angel-Shop! Aus tierschutzrechtlichen Gründen sehen wir erst mal ab von weiteren Angelaktionen. Wir tüfteln noch an einem verlässlichen System, welches tier- und besatzungsschonend funktioniert. Und sowieso bremsen zu viele Angelschnüre unsere Fahrt gen

Westen. Wir befinden uns in einer Regatta und nicht auf einem Fischkutter!

Unser spanischer Mitsegler – natürlich längst ausser Sichtweite im Kielwasser verschwunden – meldete sich erneut über Funk um zu erfragen, wie es uns geht. Der kurze Smalltalk ergab, dass der Kollege Einhand unterwegs ist. Dazu segelt er noch in aller Ruhe mit dem Spi. Wir werden neugierig auf das Crewtreffen in St. Lucia. Scheint interessant zu werden.

Die Passatbewölkung nimmt ständig zu – so sehr, dass heute Mittag genaugenommen eigentlich nur noch eine einzige Wolke über uns stand. Zu unser allen Freude und Erstaunen ergossen sich sogar einige winzige Tropfen Süsswasser aus ihr – leider zu wenig um eine Decksdusche zu nehmen. Aber so schnell wie sie gekommen war, war sich auch wieder verschwunden. Sonne satt! Und da behauptet man immer, dass das Wetter im Hochgebirge schnell wechselt.

Nach ein paar Durchhängerstunden während der Nacht mit lediglich 4,5kn surft unsere Skiathos mittlerweile wieder die Wellentäler mit ca. 9kn herab. Daran sollte sich, laut Wetterbericht, auch nichts ändern die nächsten Tage. Unser Bergfest planen wir für Montag. Dann dürften die 1400nm geknackt sein. Unsere Vorräte verringern sich beständig – der erste (von drei) Wassertanks ist leer, das Gemüse ordentlich reduziert und die Mangos so reif, dass sie prima zu Vanilleeis passen würden...

Aus dieser Halluzination heraus wurde eine weitere Geschäftsidee von der Crew entwickelt. Bei der nächsten ARC werden wir einen Hochseetender mieten und die Flotte mit allem Kulinarischem (inklusive Thunfisch) versorgen. Kommerziell sicherlich erfolgversprechend, wenn man bedenkt, wieviel wir für so eine Portion Vanilleeis ausgeben würden!

ps: mam, jpbat, ls, daa
 
27.11.09, 1200UTC, N19°54'0 - W 027°59'0   -   169 nm

 
0500 UTC: Die Jagd ist eröffnet! Am Horizont vor uns tauchte ein Hecklicht auf, welches sich in die gleiche Richtung bewegte. Kurs 250°. Stunde um Stunde kamen wir näher. Bei Tagesanbruch bestätigte sich, dass es sich um einen Segler handelte. Diese Tatsache motivierte die Wachhabenden nur noch mehr das Beste am Ruder zu geben und jeden Zehntelknoten aus dem Schiff zu holen. Gegen Mittag erreichte uns ein Funkspruch der verfolgten Yacht. Ein sympathischer Spanier auf dem Weg nach St. Lucia, wenn auch nicht Teil der ARC. Der Kollege loggte sich nach Erhalt unserer Startnummer im Internet ein und teilte uns mit, dass wir aktuell auf Platz 31 (Gesamtwertung) sind. Das sind gute Neuigkeiten, die normalerweise mit einem kühlen Bier begossen werden
müssen – wenn an Bord vorhanden. Wir werden damit wohl bis St. Lucia warten müssen.

Mittlerweile sind wir in der Passatwindzone angekommen und schwenken langsam Richtung Karibik ein. Vorwindkurs mit Schmetterling, was uns im Schnitt 8kn beschert. Akzeptabel. Die Wetten an Bord laufen schon, wann die Ankunft in Amerika sein wird. Preis: Eine Süßwasserdusche und ein Rum-Cocktail mit gestoßenem Eis!

Unser Beinahe-Patent für die Arretierung der Genau wurde weiterhin verfeinert – nachdem uns der Schäkel davongeflogen ist. Bis zum Patentamt ist es noch ein weiter Weg... Ein Glück haben wir genügend Kabelbinder und Loctite an Bord!

Auf der Yellow Thuna-Front gibt es auch noch nichts Neues zu berichten. Bernd hatte es zwar geschafft mit einem Fisch auf Augenhöhe zu gehen. Offensichtlich hat dies das Tier aber derart erschreckt, dass es seine
letzten Kräfte aufbrachte und über die Reling sprang. Bleibt die Frage was die Herren Chefköche aus der Kombüse zaubern – so ganz ohne Fleisch oder frischen Fisch! Dran bleiben: die Auflösung gibt’s morgen.

Die Nachtwachen waren erneut spektakulär – Auf der Wache von Klaus und André hat eine riesige Sternschnuppe im Tiefstflug die Skiathos überholt: Mit deutlich mehr als 8kn, ohne ARC-Startnummer und mit 7-sekündigem Feuerball und Leuchtspur. Wir waren froh, dass die Schnuppe nicht bei uns eingeschlagen hat. Das war bis jetzt die beste Gelegenheit große Wünsche loszuwerden.

PS: Die geringeren nm haben leider mit der Abnahme der Windstärke zu tun. Wir hoffen auf leichte Verbesserung die nächsten Tage und geben alles damit das Schiff läuft!

 

26.11.09, 1200UTC, N21°13'0 - W 025°22'0   -   185 nm

 

Der Tag der technischen Raffinessen: Just im Moment in dem unser Bordkameramann Arno die im Cockpit versammelte Mannschaft aus dem Niedergang heraus filmte, krachte es am Bug gehörig! Aber anstatt die Ursache mit der Kamera einzufangen verblieben nur die betretenen Gesichter auf dem Film. An der Sensationsgier und dem Timinggefühl unseres Bordreporters arbeiten wir noch! 
Was ist passiert? Schon zum
zweiten Mal ist unsere Behelfsschot für die ausgebaumte Genua durchgescheuert – die ständige Bewegung des Schiffes geht auf's Material. Aber mittlerweile ist die Crew bei solchen Kleinigkeiten recht

versiert – innerhalb kurzer Zeit war die neue Schot getaped und der Palstek im Schothorn. Nach einer halben Stunde hatten wir wieder beide Segel parat und es ging unter Ausnutzung der maximalen Segelfläche weiter gen Süden. Mittlerweile wurde ein optimiertes System angebracht (noch nicht patentiert – aber bald!), dass das Reiben der Schoten gänzlich verhindert. Maximale Performance für unser Regattaergebnis.

Zuviele Stopps wollen wir uns nicht leisten auf dem Weg nach St. Lucia! In der Nacht hatte die Skiathos ordentlich Rückenwind mit 25kn, was uns einige schöne Surfs im Mondlicht bescherte. Delphinbegleitung inklusive!

Angesichts der Geschwindigkeitsräusche ist der Bruch der Lazy-Bag-Tampen ein Kolalateralschaden. Dieser wurde am Tag vom Skipper fachmännisch behoben – ohne beizudrehen und so wertvolle Zeit zu verlieren. Apropos:

Heute hatten wir kein einziges Schiff in Sichtweite. Alle Lichter in der Nacht liessen wir weiter in unserem Kielwasser und kein Konkurrent kam näher. So kann es weitergehen. Die Wetteraussichten für die nächsten vier Tage stimmen uns positiv, dass das auch so bleibt. Kulinarisches Highlight heute: Die riesigen Steaks von Bernd – erstaunlich, was der Mann aus der Bordküche zaubert. Also ehrlich: Man kommt sich vor wie in einem Texanischen Steakhouse – und das mitten auf dem Atlantik! Mindestens 350g (pro Nase!) Roastbeef à point gegart. Dazu reichlich Salat und Gemüse! Das macht den stärksten Seebär satt. Man könnt glatt meinen wir hätten den ganzen Tag lang schwer geschuftet! Nur traurig, dass dies der letzte Frischfleischvorrat gewesen ist. Ab nun vertrauen wir auf die tierischen Eiweisse aus der See. Gesehen haben wir sie schon, wenn auch nur von weitem. Die Spezies der gelben Thunfische

scheint sich spezialisiert zu haben auf hungrige, übermotivierte Segler! Anbeissen, antäuschen und dann im letzten Moment wieder vom Haken springen! Zum Verdruss der motivierten Angler an Bord. Aber wir haben noch etwas Zeit Erfahrungen zu sammeln. Und im Kühlschrank hat es wiederreichlich Platz!

Wir sind eine Crew von Seglern... das merkt man spätestens, wenn es darum geht den Motor anzuwerfen um die Batterien zu laden. Aus 8kn Fahrt wurden plötzlich 4,5kn. Das kommt davon, wenn man den Rückwärtsgang

einlegt. Peinlich! Wir werden noch beraten, ob wir bei der ARC-Leitung eine Zeitgutschrift für diese 2,5min beantragen werden!

Heute Nacht werden wir die ersten Nachtwachen in der kurzen Hose in Angriff nehmen. Es ist tagsüber schon sehr warm und über uns sind die ersten Passat-Wolken in Sicht. Nicht mehr allzu lange und wir schwenken gen Westen.

 

25.11.09, 1200UTC, N22°26'0 - W 022°21'0   -   186 nm
 

Eine flotte Nachtfahrt geht zu Ende: Endlich wieder Regattafeeling! Schon während der Nacht tauchte am Horizont ein Hecklicht eines anderen Segelschiffes auf. Nach Sonnenaufgang war der Spi ganz deutlich zu erkennen, was nur noch mehr unseren Ehrgeiz steigerte. Stunde um Stunde kämpften wir uns heran und stellten mit Verblüffung fest, dass es sich um den Katamaran „Linocat“ handelte. Nach kurzem, freundlichem Smalltalk mit der Crew aus Mannheim zischten wir an dem Schiff vorbei und liessen es in unserem Kielwasser. Aber erneute Gefahr droht von

achtern: Seit dem Morgen lässt sich ein grosses Segel am Horizont hinter uns ausmachen. Verschärfte Beobachtung ist angesagt beim Rudergehen heute Nacht.

Wettertechnisch gibt es nichts zu bemängeln – die Temperatur steigt kontinuierlich und der Wind bläst konstant mit Windstärke 5 von hinten. So kommen mit unserem Schmetterling beständig Richtung Südwesten. Jeder fragt sich jetzt bestimmt, wann die Skiathos endlich nach Westen einschwenkt – aber das bleibt bis auf weiteres ein bordinternes Geheimnis.

Die Stimmung an Bord ist entspannt und so langsam kommen wir in den Rhythmus der Wachen. Aber die Hundewache von 0200-0500 ist noch immer die am unbeliebteste Schicht. Allerdings hat auch das seinen Reiz: Man

kann viel Überlegen, wenn die Sterne Funkeln und das Meer an einem vorbeirauscht – Vor- und Nachteil zugleich. Was bleibt ist die Gewissheit über die Wachablösung und den Sonnenaufgang!

 

Log der LINOCAT:
In der Nacht konnten wir ein Navigationslicht hinter uns sehen und um die Mittagszeit hörten wir die Skiathos auf Radio-VHF16 rufen und danach an uns vorbeifahren. Es war ein schönes Schiff und einer der ersten 47er, sie hatte fast den gleichen Kurs. Wir haben die Skiathos fotografiert.


Bild in Originalgröße

 
24.11.09, 1200UTC, N26°12'0 - W 019°39'0   -  196 nm
 

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Tierbeobachtungen: Es kreuzte uns eine Schule neugierige Delphine – geschätzte 50 Stück. Den Frust hatte nur der Rudergänger – die Säugetiere waren einfach zu schnell für

unsere First. Und das, obwohl wir auch sehr flott mit 10kn unterwegs gewesen sind. Die zweite Begegnung mit der hiesigen Tierwelt: Schildkröten. Zur besten Abendbrotzeit konnten sich die Tiere retten.

Das Außergewöhnlichste war jedoch eine Walsichtung. Leider blieb es uns vergönnt Rasse, Geschlecht und Augenfarbe zu bestimmen, aber es war ein mächtiger Buckel, der in unserm Kielwasser zu sehen war. Während unserer schnellen Nachtfahrt hatten wir noch mal die Begegnung mit Delphinen. Sehr beeindruckend, da sie nachts die Algen zum fluoreszieren bringen – das hat dann etwas von einem Torpedo, der neben dem Schiff herläuft.

Kulinarisches Highlight jedoch war das Gulasch unserer beiden Chefköche Arno und Bernd. Sehr delikat! Man munkelt, dass dies geheime Wirkstoffe gegen Seekrankheit enthält. Seit dem Verzehr geht es allen

Crewmitgliedern wieder wesentlich besser. So kann es weitergehen. Mit vollem Magen ging es in die Nacht: 25kn und Surfs bis 14kn unter sternenklarem Himmel.
 

23.11.09, 1200UTC, N26°31'4 - W 017°36'0   -  177 nm


Wie sieht's aus an Bord? Der gestrige Regattastart war auch vom Boot aus sehr beeindruckend. Die lange Pier von Las Palmas war voll von winkenden Leuten und entsprechend schwermütig war die Stimmung beim ein oder anderen an Bord.

Unsere Taktik beim Start war eher verhalten, aber ging auf. Mit so einen Schiff rollt man das Feld am besten von hinten auf. Der Sonnenuntergang liess nicht sehr lange auf sich warten. Mit ausgebaumter Genua und Bullenstander im Gross ging es in die Nacht. Mit Anbruch der Dämmerung zauberte Arno einen Hähnchen-Curry aus den Vorräten. Allerdings war die Menge zu optimistisch abgeschätzt – zu verhalten war der Konsum der Crew bei 
4 Meter Welle und achterlichem Wind mit 25kn. Die ersten Nachtwachen waren recht spektakulär – wir überholten Schiff um Schiff und es regnete Sternschnuppen vom Himmel. Wenn alle Wünsche in Erfüllung gehen, dann dürften wir in einer besseren Welt ankommen. Mindestens genauso beeindruckend war das Feuerwerk unter Wasser: Der Atlantik ist in diesen Breiten voller Algen, die bei Bewegung anfangen zu fluoreszieren. Unser Kielwasser und die Wellenberge um uns herum funkelten im grellen Grün, während wir versuchten die Skiathos gen Südwesten zu drücken. Nicht immer einfach für den Steuermann – aber so eine nächtliche Salzwasserdusche bei Unachtsamkeit bewirkt Wunder und sorgt für umgehende Aufmerksamkeit. Wettertechnisch sind keine grossen Änderungen zu erwarten – vorerst fahren wir so weiter bis wir südlichere Gefilde erreichen um dann nach Westen einzuschwenken. Der Spi bleibt bei diesen Wind- und Wellenverhältnissen vorerst in der Segellast. Auch die Genua erfüllt ihren Zweck. Unser Schnitt dürfte im Moment um die 9kn liegen, wobei Surfs bis 12kn keine Seltenheit sind. Es wird eine spannende und hoffentlich schnelle Nacht.

Skiathos Crew


Nachricht vom 22.11.09 - Kurz nach dem Start

Pünktlich um 13.00 Uhr Ortszeit (14.00 Uhr hier) erklang das Startsignal. Leinen los, Segel hoch und nun die Strecke festlegen. Wir werden sehen, wo es lang gehen wird. Schiff ahoi! Und guten Wind und gesunde Reise!

Videos von Start gibt es hier!

11:32 Uhr
Das Nachbarschiff verlässt den Hafen
11:40 Uhr
Die Schiffe verlassen den Hafen zum Start
12:05 Uhr
Noch 55 Minuten bis zum Start- eine Ewigkeit
12:08 Uhr
Unsere Skiathos 
verlässt den Hafen
12:57 Uhr
Segel hoch zum Start
und los gehts!

 
Nachricht vom 21.11.09

Hola!
Heute war ausschlafen angesagt - die Farewellparty war nicht von schlechten Eltern und danach gab es noch eine After-Hour Party bei uns auf dem Schiff. Es gesellte sich die Crew der nachbarlichen POGO 40 zu uns, was dann doch etwas länger wurde...
Endspurt bis zum Start morgen: Heute fand das Skipperbriefing statt. Thomas und  André repräsentierten die Skiathos. Präsentiert wurden neben den allgemeinen Regeln zu Regatta vor allem sicherheitsrelevante Themen, sowie die zu erwartenden meteorologischen Konditionen. Augenblicklich sieht alles ganz gut aus für uns. der Passat bläst ordentlich mit bis zu 25kn, was entsprechendes Vorankommen erwarten lässt. Über die geplante Route können wir an dieser Stelle keine Details preisgeben - aus regattataktischen Gründen. Nach wie vor wollen wir in unserer Klasse gewinnen!
Zudem gab es heute die komplette Sicherheits- und Booteinweisung durch unseren Skipper. Wir sind davon überzeugt, dass wir bestens vorbereitet sind - zudem kommt die technische Überausstattung der Skiathos. Mal im Ernst: wer von uns Freizeitkapitänen denkt schon daran eine Ersatz VHF-Antenne, oder eine zweite versiegelte Notbatterie für Motor oder das Funkgerät an Bord zu nehmen? Zudem herrscht bei uns an Bord Sitzpinkelgebot, sowie Ausserbordpinkelverbot. Nachts sind Schwimmwesten und einpicken Pflicht. Somit sind schon einmal die grössten Risiken minimiert.
Mittlerweile sind alle Einkäufe getätigt und wir beschränken uns die Vorzüge des Hafenlebens zu geniessen: fliessend Frischwasser ohne Ende, warme Duschen, Porzellan-WCs,  und nicht zu vergessen: das eiskalte Bier in der Sailors Bar am Pier! Aber nicht genug - all diese Vorzüge kann der Grossteil der Crew mit Familienanhang geniessen. Vier Frauen sind zum Abschied der Crew eigens aus Europa angereist. Ob morgen beim Start wohl Tränen fliessen? Wir werden es berichten - hier an dieser Stelle.
Und am Schluss noch ein organisatorischer Hinweis: während des Rennens werden wir täglich die Berichte per Iridium-Satellit verteilen. Bilder gibt es dann erst wieder in St. Lucia!
 
Impressionen vom 21.+22.11.09:


Frankfurt Flughafen 21.11.09 um 01:30 Uhr
Nun hat es auch der  "siebte Teilnehmer" der Crew für die ARC-Regatta geschafft sich auf den Weg zu machen. Mit Seesack bepackt, etwas müde, aber voller Euphorie und Vorfreude geht es nun mit dem Flieger nach Gran Canaria.
Und Klaus ist nicht allein - wie man sieht!
Bei Dunkelheit startet der Flieger um 03:40 Uhr auf der bunt beleuchteten Startbahn II auf dem Internationalen Fluhafen Frankfurt am Main. Ciao, ciao Klaus und komm bald wieder!

PS: Wenn Du beim Flieger genau hinschaust, dann kannst Du Klaus erkennen. :-)  ;-)

Nachricht vom 20.11.09
Was stand heute auf dem Programm? Ach ja, das Bunkern der gelieferten Vorräte! Die Damen vom Supermarkt haben alles perfekt arrangiert und so kamen gegen Mittag zwei fleissige Helferlein mit tonnenweise Wasser und Proviant... Schnell haben wir begriffen, dass es sich um die 10 aufgegebenen Einkaufskörbe von gestern handelt. Es dauerte einen guten Moment bis wir alles verstaut hatten - sämtliche Gemüse- und Obstsorten wurde mit viel Liebe von Hand gewaschen. Erstaunlicherweise sieht das Schiff noch immer sehr wohnlich aus und es hätte noch mehr Platz an Bord. Aber gut, wir wollen die Regatta ja gewinnen. Wasser haben wir so viel an Bord, dass es bis Südamerika reichen dürfte... Aber wo zum Himmel waren die Kartons mit den Müslipackungen? Nach sorgfältiger Prüfung des 2m Kassenzettels stellte sich heraus, dass wir mindestens zwei gepackte Einkaufswägen im Supermarkt vergessen hatten. Wer es  nicht im Kopf hat... und so sind wir von Neuem losgetiegert und haben uns in die Wirren des El Corte d'Ingles gestürzt. Allerdings ging der Einkauf heute flott und enspannt vonstatten - Erfahrung von gestern sei Dank. Was noch fehlt ist Brot und Fleisch, aber das wird in letzter Minute vor dem Start besorgt!

Die Skiathos ist soweit bereit: Technisch einwandfrei und bestens vorbereitet. Alle Salinge getaped, Segelllast schön gefüllt mit Fock, Spinnaker, Ersatzgross und Betriebsstoffe gebunkert. Time to leave!
Die ARC Organisation hat uns für die Überfahrt grünes Licht gegeben. Es folgte die Sicherheitseinweisung durch Thomas, unseren Skipper.
Was für heute bleibt ist die offizielle Farewell-Party. Hoffentlich gibt es genügend kühles Bier - es wird unser letztes für lange Zeit sein.
 

Die erste Nachricht vom 19.11.09
Wir sind bestens angekommen und haben heute unser Schiff gecheckt und präpariert.
Vier Mann sind los zum Einkaufen, was ein einmaliges Erlebnis war. 10 randvolle Einkaufswägen -  und noch nichtmal die ganze Frischware wie Fleisch etc. dabei. Sehr beeindruckend. Die Mädels am Schalter waren sehr professionell organisiert und haben alles schön eingepackt. Jetzt sitzen wir an Bord und warten bis der Lieferservice die Ware bringt. Ausgegeben haben wir erst 1500.- Die letzte Crew brauchte vor einem Jahr rund 1000.- mehr. Aber bis Sonntag sind es ja auch noch ein paar Tage, gell!
Das Schiff sieht auch sehr gut aus und es gab kaum Hausaufgaben von der ARC Organisation. Neu ist, dass ein zweiter Lautsprecher für die Funke im Cockpit sein muss. Aber Robby is da ja im Element. Ich denke, dass wir morgen die meiste Arbeit hinter uns haben werden und Zeit und Muse finden etwas von dem Flair zu schnuppern. Alles sehr international hier!

Muss mich mit dem Tippen mega beeilen, da das Wifi hier alle Nase lang einbricht. Du hörst von uns! Wenn das mit der Mail hier klappt, dann schicken wir morgen bessere Texte und ein paar Bilder!
Ciao erstmal! :-)       André und der Rest vom Schiff!

PS: Die gelben Aufkleber waren für unsere Kartons beim Einkaufen... habe mich fast wundgeschrieben!

Nidderau, 18.11.09
Unsere Segler Bernd S., Bernd R., Robby und Arno machen sich per Bahn auf dem Weg zum Flughafen, um endlich nach Gran Canaria zu fliegen. Alle weiteren Eindrücke von der Ankunft und den Vorbereitungen vor Ort demnächst hier!

Unserer Crew alles Gute
wünschen die Nidderauer Segler
und Hans-Jürgen